Die Anfänge

So alt wie die Bundesrepublik Deutschland, so jung ist der Landesverband der Rassekaninchenzüchter von Rheinland-Nassau. Als die Bundesrepublik Deutschland „ins Leben trat", waren die wichtigsten Grundentscheidungen, die ihre innere Ordnung bestimmen sollten, im Wesentlichen bereits gefallen. Es waren die Alliierten, die diese Daten, von denen die Bundesrepublik bei der Gestaltung ihrer Politik auszugehen hatte, festgesetzt hatten. Die Besatzungsmächte hatten die Grenze der Länder festgelegt, aus denen der neue Bundesstaat sich zusammensetzen sollte. Sie sind mit der einen Ausnahme der Vereinigung der drei südwestdeutschen Länder zum Südweststaat (heute Baden-Württemberg) auch nicht mehr geändert worden. Zur Gründung des Landes Rheinland-Pfalz erließ der Oberkommandierende in der französischen Besatzungszone Deutschlands General Pierre Koenig am 30. August 1946 in der Verordnung Nr. 57 der französischen Militärregierung unter Artikel 1 folgenden Wortlaut:

„Es wird hiermit ein Land geschaffen, welches die Pfalz und die gegenwärtigen Regierungsbezirke Trier, Koblenz, Mainz und Montabaur umfasst."

Die Verfassung für Rheinland-Pfalz, die am 18. Mai 1947 in freier und geheimer Abstimmung angenommen wurde, ist fast genau zwei Jahre älter als das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vom 23.5.1949. In den fünf ehemaligen Regierungsbezirken des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz spiegelten sich zum Teil historische Territorien wieder. Bis 1945 gehörten die Bezirke Koblenz und Trier zur ehemaligen preußischen Rheinprovinz, Montabaur zur preußischen Provinz Hessen-Nassau, die Pfalz zu Bayern sowie Rheinhessen zum Volksstaat Hessen, dem Nachfolgeland des früheren Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Der spätere Landkreis Birkenfeld war 1817 an das Großherzogtum Oldenburg gekommen und wurde erst 1937 in den damals noch preußischen Regierungsbezirk Koblenz eingegliedert. Durch die Abtrennung der Regierungsbezirke Koblenz und Trier von der „Rheinprovinz" war die Züchtertätigkeit zunächst durch die Zonengrenzen der Franzosen, Engländer und Amerikaner erschwert.

Noch lange bevor an die Gründung eines Landesverbandes gedacht wurde, setzten sich die Preisrichter Robert Baldus, Peter Dames (geboren am 27. Februar 1898, gestorben am 07. Februar 1981 in Neuwied-Irlich), Matthias Heck und Peter Hauser zusammen und gründeten am 5. Oktober 1945 in Neuwied-Irlich eine Preisrichtervereinigung. Die Preisrichtervereinigung nannten sie in Anlehnung an die damalige Landwirtschaftskammer Rheinland Hessen-Nassau, die sich im Jahre 1950 in Landwirtschaftskammer Rheinland-Nassau und im Jahre 1976 in Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz umbenannte, „Preisrichtervereinigung Rheinland Hessen-Nassau".

Durch die Schaffung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz waren die bestehenden Vereine und Kreisverbände gezwungen, die Zugehörigkeit zu einem Landesverband zu klären. Es wurde beschlossen, sich eine eigene Dachorganisation zu schaffen. Dieses ist auch mit tatkräftiger Unterstützung der Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland Hessen-Nassau, heute LWK Rheinland-Pfalz, gelungen. Der heutige Landesverband der Rassekaninchenzüchter Rheinland-Nassau erhielt bei der Gründung des Landesverbandes im Jahre 1949 den Namen „Rheinland Hessen-Nassau". Nach der Umbenennung der LWK im Jahre 1950 in LWK Rheinland-Nassau übernahm der Landesverband auch diesen, seinen endgültigen Namen. Jeder, der mit den Verhältnissen im Gebiet des heutigen Landesverbandes Rheinland-Nassau vertraut ist, weiß um die besonderen Schwierigkeiten beim Aufbau der Organisation. Während einige Vereine nach Kriegsende die Züchterarbeit wieder aufnahmen, mussten die meisten Vereine neu gegründet und die Zuchtunterlagen von Grund auf neu erstellt werden. Die wenigen Vereine waren aber sofort sehr aktiv.

Für den 24. März 1949 wurden die Vereine zur Gründungsversammlung nach Koblenz-Lützel ins Gasthaus „Zum Hafen" eingeladen. Vertreten waren die zehn Vereine, R 283 Koblenz-Lützel, Vorsitzender Michael Boßenhart, R 355 Metternich, Vorsitzender Gustav Merkeler, R 26 Bendorf, Vorsitzender Karl Hartel, R 254 Irlich, Vorsitzender A. Dames, R 650 Niederbieber-Segendorf, Vorsitzender Fritz Luther, R 236 "Edle Rassen" Bad Hönningen, Vorsitzender Anton Weißenfels, R ? Höhr-Grenzhausen, R 690 Bad-Neuenahr, Vorsitzender Eugen Seibertz, R ? Simmern (Der Verein Simmern war bei der Gründung des Landesverbandes ein gemischter Verein Geflügel und Kaninchen) und R 566 Winningen, Vorsitzender Johann Christ. Auf der Gründungsversammlung wurde ein vorläufiger Vorstand gewählt. Gleichzeitig wurde beschlossen, für den 10. Juni 1949 eine Mitgliederversammlung einzuberufen. Diese Mitgliederversammlung fand ebenfalls im Gasthof „Zum Hafen" in Lützel statt und war weit besser besucht als die Gründungsversammlung. Als Gäste nahmen an dieser Versammlung das Vorstandsmitglied des ZDK Heinrich Schäfer, Düsseldorf, und der Obmann für Zuchtfragen beim Landesverband Rheinischer Kaninchenzüchter Züchterfreund Bonn-Eschweiler teil. Wichtigster und erster Punkt dieser Versammlung war die Wahl des endgültigen Vorstandes. Es wurde einstimmig der auf der Gründungsversammlung vorläufig gewählte Vorstand bestätigt. Die Beitragsfrage wurde dahingehend geregelt, dass je Vereinsmitglied 1,00 DM an die Kreisverbände (KV) zu zahlen waren, wovon je 0,40 DM an den Landesverband abgeführt wurde. Bis zur endgültigen Neuregelung sollten die früheren Tätowierzeichen weiter benutzt werden. Die alten Vereinsbezeichnungen blieben bestehen, z.B. H 177 1924 Höhr-Grenzhausen oder R 550 Trier-Heiligkreuz. Es gab keine Vereine, die mit RN bzw. RHN begannen. Auf Anregung des Züchterfreundes Schäfer, Düsseldorf, wurde der Beitritt zum ZDK beschlossen.

Die Ausrichtung einer Landesschau wurde allgemein als verfrüht angesehen, sie sollte mit Rücksicht auf die Kleintierschau der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft bis auf weiteres verschoben werden, bis auch die Käfigfrage gelöst sei. Interessenten für Herdbuchzucht sollten sich umgehend an die Geschäftsstelle oder den Obmann für Zucht zwecks Zusendung der Anmeldebogen wenden.

Mit der Ehrung verschiedener altbewährter Mitglieder durch Verleihung der goldenen bzw. silbernen Ehrennadel des Landesverbandes Rheinischer Kaninchenzüchter wurde die Versammlung geschlossen.

Mit gewisser Dankbarkeit wird hier festgestellt, dass der noch junge Landesverband jederzeit bei der heutigen Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, unter deren Mitwirkung er neu gegründet worden ist, die von ihr erhoffte Unterstützung gefunden hat. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Herrn Landwirtschaftsrat Josef Genius, der bei der damaligen LWK Rheinland Hessen-Nassau beschäftigt war und sich sehr um den Landesverband bemühte. So führte er unter anderem bis zum 25. Mai .1954 die Geschäfte des Landesverbandes.

„Zank und Streit führen niemals weit, vereinte Kraft aber vieles schafft".

Dieser Spruch wurde allen Teilnehmern mit auf den Heimweg gegeben.

Auf Antrag des geschäftsführenden Landesverbandsvorstandes wurde der am 24. März 1949 gegründete Landesverband vom "Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter westlicher Zone" mit Wirkung vom 1. April 1949 anerkannt.