Wir über uns

Diese Abteilung ist genauso alt wie unser Landesverband, sie wurde nämlich schon bei der Gründung des Landesverbandes 1949 „ins Leben gerufen". Damals wurde Kurt Haußmann aus Ötzingen zum Angora-Obmann gewählt. Vor der Gründung des Landesverbandes gehörten die Angorakaninchen zu den von den Machthabern des „Dritten Reiches" propagierten Wirtschaftsrassen. Aus der Kriegs- und Nachkriegszeit sind nur wenige Angorazüchter bekannt: Jakob Schmidt aus Mülheim sowie die Züchterfreunde Johann Scheidt und Kretzer aus Hönningen. Der erste LV-Angora-Obmann unseres Landesverbandes Kurt Haußmann kam 1946 aus Westfalen nach Ötzingen in den Westerwald. Er hatte schon in Westfalen Angora gezüchtet und suchte nun hier Angorazüchter. Beim Verein H 117 Höhr-Grenzhausen wurde er Mitglied und knüpfte bei Versammlungen in Koblenz die ersten Kontakte zu Angorazüchtern. Die ältere Generation kann sich sicher noch gut an die Erschwernisse der damaligen Zeit erinnern. Es gab außer dem Fahrrad kaum Reisemöglichkeiten, denn mit dem Zug waren nicht viele Züchter erreichbar. Damals mussten für ein Deckakt 25 Pfund Hafer und noch ein Jungtier von 8 Wochen gegeben werden. Die Verhältnisse besserten sich praktisch erst nach der Gründung unseres Landesverbandes. Aus den frühen 50-er Jahren sind schon mehr Angorazüchter bekannt: Kurt Haußmann, Ötzingen; Josef Bader, Bad Ems; Eugen Haußmann, Bad Ems; Stephan Tannert, Hönningen; Philipp Kretzer, Hönningen und Johann Schlaf, Ettringen. Auf der 5.Landesschau in Montabaur standen 391 Kaninchen in der Turnhalle, darunter 38 Angorakaninchen, das waren 9,72 %. 8 Ehrenpreise wurden in die Angoraklasse vergeben. Angora-Aussteller waren damals: Schreiner, Kirchberg; Bader, Bad Ems; Lind und Saal, Montabaur; Schäfer, Mayen; Schlaf, Ettringen; Haußmann, Ötzingen; Rodenbusch, Kirchberg; Bodes, Breitscheid; Tunnert, Hönningen. Mit dem Aufbau einer Leistungszucht hatte der LV-Angoraobmann Kurt Haußmann viel Mühe. Als junger Mann hatte er es schwer gegen die „alten Kämpen", die einfach nicht zu einer geordneten Leistungszucht zu bewegen waren. Es wurde immer im alten Trott weitergemacht. Auf Wunsch der Landwirtschaftskammer, die zur damaligen Zeit die Geschäftsführung des Landesverbandes innehatte, wurde am 22. November 1950 die Arbeitsgemeinschaft der Angorazüchter gegründet. Die Kammer unterstützte die Arbeitsgemeinschaft mit Zuschüssen für Zuchttiere etc. Die erste Gelegenheit für die Arbeitsgemeinschaft, an die Öffentlichkeit zu treten, war die Landestierschau vom 8.-16. September 1951 in Koblenz. Hier waren die Angorazüchter stark vertreten. Die Arbeitsgemeinschaft zählte 12 Mitglieder. Von den 5.243 Kaninchen, die von den organisierten Züchtern des Landesverbandes im Zuchtjahr 1951 gezüchtet wurden, waren 1.214 Angora. Ausgestellt haben alle, jedoch eine geordnete Schurkontrolle war nur sehr schwer in Gang zu bringen. Besonders die älteren Züchter hatten Angst vor der vielen Schreibarbeit. Auf Drängen des damaligen ZDK-Angora-Obmannes Karl Kreilkamp war es dann doch soweit: Am 07.Juli 1957 wurde in einer Versammlung in Montabaur beschlossen, die Schurkontrolle in unserem Landesverband ab 01.Juli 1957 einzuführen. In dieser Versammlung wurden auch die Vertrauensleute gewählt, die dann die Kontrolle ausüben sollten: Hubert Schmidt, Marienhausen; Mathias Röhrig, Hönningen; Johann Schlaf, Ettringen; Eugen Haußmann, Bad Ems; Robert Drenkelfuß, Idar-Oberstein; Walter Bodes, Breitscheid und Georg Müller, Zemmer. In einer LV-Versammlung am 23.Mai 1954 wurde der gesamte LV-Vorstand abgewählt und die Geschäftsführung der Kammer entzogen - nach dem Motto: „Wir machen alles selbst". Die Zuschüsse blieben aus und der Kontakt zur Kammer war schlecht. Dies änderte sich erst zwei Jahre später, als F.A. Fandel aus Montabaur zum LV-Vorsitzenden gewählt wurde. Bei der Kammer ging der bis dahin die Geschäfte der Arbeitsgruppe führende Landwirtschaftsrat Josef Genius in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Dr. Quadflieg. Der Kontakt zur Kammer wurde wieder hergestellt, und die Zusammenarbeit zeigte wieder Früchte in Form von „Ankaufsbeihilfen". Auch die Kosten der Durchführung der Kreisschurkontrollen und die Kosten der ALP wurden von der Kammer übernommen. Das war eine Förderung, von der wir heute nur träumen können, wenn ich an die Kosten der heutigen Prüfungen denke. Die Angorazüchter unseres Landesverbandes hatten nach und nach den Anschluss an die anderen Landesverbände gefunden, Dank der Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer und des ZDK-Obmanns Karl Kreilkamp, der nicht nachließ, immer wieder die Schurkontrolle zu fordern. Seit der Gründung des LV war Züchterfreund Kurt Haußmann aus Ötzingen der LV-Obmann der Angorazüchter und leitete die Abteilung bis 1971. Er hat in sehr schwerer Zeit für unser Hobby eine immense Arbeit geleistet, wofür wir ihm heute noch dankbar sein können. Auf Wunsch von Kurt Haußmann und den anderen Angorazüchtern übernahm Peter Hoefer im Frühjahr 1971 das Amt des Angora-Obmannes. Hatte sein Vorgänger viel Arbeit mit der Einführung der Schurkontrolle, so begann nun eine Umorientierung der Schurkontrolle. Die Vorschriften für die Kontrolle wurden geändert, die Wollwert-Endzahl abgeschafft. Als Selektionskriterium galt künftig die Wollwertrichtzahl. Die bisher vorgeschriebenen 3 Kontrollschuren mit Errechnung der vierten Schur wurde ebenfalls geändert. Nach der alten Kontrollmethode waren die Tiere bei Beendigung der Schurkontrolle 14 bis 15 Monate alt, und es gab immer häufiger Probleme, die Tiere dann tragend zu bekommen. Die Einsicht der Züchter, nur mit geprüften Tieren zu züchten, griff immer mehr. Deshalb wurden in den ALP Versuche gemacht und Berechnungen angestellt, um diese Kontrollzeit wesentlich zu verkürzen. Man errechnete, dass die erste Kontrollschur im Alter von 7 bis 8 Monaten nur ganz wenig vom Mittel abwich. Mit dieser Erkenntnis wurde die Schurordnung vom ZDK 1972 auf eine einmalige Kontrollschur geändert. Das Ergebnis dieser Kontrollschur wird mit 4 multipliziert, um den Jahresertrag zu errechnen. Aus der Sortierung der Wolle in Sorte I, II und Filz wird die Woll-Richt-Zahl (WRZ) errechnet. Die Sorte I wird mit 100 %, die Sorte 2 mit 75 % und der Filz nur mit 25 % angerechnet. Das Höchstalter bis zur Beendigung der Prüfung wurde auf 9 Monate festgelegt. Diese neuen Bestimmungen haben sich sehr positiv auf die Angorazucht ausgewirkt. Die in den späten 70-er Jahren üblich gewordene Pelletfütterung hat zusammen mit besseren Haltungsbedingungen und regelmäßiger Tränke zu einer rasanten Leistungssteigerung in der Angorazucht geführt. Nicht nur die Zahl der geprüften Tiere, sondern auch deren geprüften Wollerträge stiegen in früher nicht für möglich gehaltene Höhen. Die beste Häsin des Jahres 1986 war weltweit das erste Angorakaninchen, das im Jahres-Woll-Ertrag mit 2.004 Gramm die „magische Grenze" bei einer ALP-Prüfung überwand. Im Jahre darauf wurde die Leistung ebenfalls auf der ALP mit 2.024 Gramm noch überboten. Beide Angora kamen aus unserem Landesverband. Bei der Kreisschurkontrolle wurden im Jahre 1988 noch zwei Häsinnen mit einem Jahreswollertrag von 2.032 und 2.164 Gramm geprüft. Ich glaube, diese Leistungen sprechen für sich, und wir können stolz auf unsere Angora-Abteilung sein. Mit diesen Ergebnissen sind wir nicht nur aus dem Schatten der größeren Landesverbände herausgetreten, sondern wir haben diese übertroffen. Diese Leistungen sind den Angorazüchtern unseres Landesverbandes natürlich nicht in den Schoß gefallen. Zielstrebige jahrelange Zuchtarbeit und gute Zusammenarbeit haben letztlich zu diesen Ergebnissen geführt. Die Angora-Abteilung unseres Landesverbandes trifft sich in jedem Jahr einmal mit Partnern an unterschiedlichen Orten, um einen geselligen Tag zu verbringen. An der ALP in Neumühle arbeiten die Angorazüchter auch tatkräftig mit. Dort helfen unsere Mitglieder jährlich bei 4 Schuren, weil die Anstalt kein eigenes Schurpersonal hat. Auch die Angorazüchter der Landesverbände Rheinland-Pfalz, Saar und Württemberg-Hohenzollern helfen ebenfalls „ehrenamtlich" mit. Wenn der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe weiterhin so gut bliebe, könnten die Angorazüchter sicherlich die bisher erreichten Ergebnisse auch auf eine breitere Stufe stellen können. Sorgen macht den Angorazüchtern der Ankaufspreis der Wolle, der seit 1990 fällt und zur Zeit weit unter den Gestehungskosten liegt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Anzahl der Angorazüchter in unserem Landesverband von vierundzwanzig auf acht Mitglieder zurück ging, wovon im Jahre 2005 lediglich drei Züchter Angorakaninchen im Stall haben.